Sonntag, 23. Oktober 2016

Bullshit

Ich mag keine Klischee's.
Ich mag sie einfach nicht.
Dieses Hantieren mit den Wörter, die das verkehrte Vorgedachte unterstützen. Wörter, wie: "Klapse". "Verrückt". "Bekloppte".
Sie kommen noch so oft vor. Sogar oft integriert in Buchtitel von Werken, die eigentlich aufklären sollen. Ist doch paradox!
(ja, ich habe das Wort "bekloppt" auch an der ein oder anderen Stelle in meinem Buch verwendet. Aber wer gescheit ist, wird bemerkt haben, dass es mit Ironie gepaart wurde.)

Oder diese Bebilderung von Zeitungsartikeln, die sich inhaltlich mit Depressionen - mal gut und mal weniger gut - auseinandersetzen. Googelt das mal. Ihr werdet nie bunte Bilder finden. Ihr werdet nie Motive finden, die Hoffnung und Mut mitgeben. Immer diese "In-der-Ecke-sitzend-der-Kopf-unter-verschränkte-Arme"-Fotos. Oder Hände vors Gesicht. Oder Tränen und Wolken und Einsamkeit und suizidale Stimmung. Und alles grau, grau. Und nochmal grau.
Der Leser soll sich also noch mieser fühlen, als er es jetzt schon tut.

Hurra! Wir haben es doch alle so gelernt: Depression = scheiße und grau. Depression = 24h lang in der Ecke sitzen und weinen. Depression = du kommst da sowieso nie wieder raus. Vergiss es!

Bullshit!
Genau deswegen ist mein sonnengrau-Buch: gelb!
Und alles, was ich mache: gelb!
Und die Außendarstellung meiner Projekte: gelb!

Ich möchte nicht zu denjenigen gehören, die Vorurteile noch tiefer verwurzeln und potenzieren. Ich möchte nicht zu denjenigen gehören, die kapitulieren und andere gleich mit in den Sumpf ziehen.
Wir Antistigma-Aufklärer rackern uns den Arsch ab, um eben genau DAS aufzudröseln. Um verstricktes Gelerntes zu entflechten. Um den Menschenhirnen neue Gedankengänge zu schenken. Um negative Dauerschleifen zu durchbrechen.
Um zu zeigen:
"Hey, wir können auch fröhlich sein. Und ja, wir können auch tolle Tage haben. Und ja, unsere Welt ist auch bunt. Und ja, wir haben auch Freunde. Und nein, wir sind nicht verrückt. Wir sind Menschen mit einer Erkrankung. Und die Klapse ist nichts anderes, als eine Klinik, in der uns geholfen werden kann. Und es ist scheiß anstrengend und manches kann man wirklich nicht ändern. Ist eben so, würde Tobi Katze sagen. Aber hey, es gibt Möglichkeiten, um nicht daran kaputt zu gehen."

Montag, 18. April 2016

Verdacht

Immernoch auf Wohnungssuche.
Manche Vermieter fragen und ich erzähle ihnen, was ich mache.
Natürlich tue ich das.
Mit Elan und Souveränität.
Ich erzähle von Radio sonnengrau und von Aufklärungsarbeit über psychische Erkrankungen. 
Dass ich versuche kranken Menschen zu helfen. 
Und sogar ein Buch darüber geschrieben habe.
Dann kommen meistens große Augen.
Und eine Nettigkeit.
Sie sind dann äußerst nett zu mir.
Lassen mich schnell den Interessenten-Bogen ausfüllen mit Telefonnummer & Email.
Und eine Stunde später habe ich Post im Mail-Kasten:
"Tut uns leid. Wie geben Ihnen die Wohnung nicht."
Es passiert in letzter Zeit sehr oft.
Und ich frage mich gerade, ob es an mir liegt? 
An meiner Visage?
An meiner Stimme?
An dem Wort "psychische Erkrankung"?
An meiner Arbeit?
Ich will nicht mutmaßen.
Aber ich denke drüber nach...

Donnerstag, 31. März 2016

Lernstunde


Hey, Du da oben!
Du Etwas.
Du Ding.
Du Gott.
Du Himmel.
Du Tor zum Paradies.
Du Irgendwas.
Du Ich-glaub-nicht-an-Dich.

Wieso nimmst Du uns die Guten?
Die mit Herz und Kunst.
Die uns beleben und beträufeln mit Einzigartigkeit und liebliche Intensität.
Die, die schenken und berühren.
Die, die nah sind, ohne persönlichen Kontakt.
Die, die verändern und Seelen reinigen.
Wieso die? Wieso nicht die anderen?
Wieso nimmst Du sie mit?
Dahin. Irgendwohin. Fort. Weg von uns.

Willst Du sie beschützen, bevor das Chaos ausbricht?
Bevor alle durchdrehen und Liebe erfriert?
Weil sie woanders besser aufgehoben sind?
Weil sie es verstanden haben und wir noch nicht?
Weil ihre To do-Liste erledigt und zusammengeknüllt im Papierkorb liegt?
Nimmst Du sie uns, weil wir lernen sollen?
Weil wir es noch nicht können?
Das Leben leben noch nicht können?

Immer, wenn Du uns die Guten nimmst, hinterlässt es eine gekritzelte Post-It-Notiz.
Haftend in meiner Seele.
Ein Gedanke.
Eine Auffrischung.
Ein „Verdammt-was-ist-eigentlich-wirklich-wichtig-im-Leben“-Schub.
Ein dankendes Wort.
Ein Spüren der Liebe.
Ich mich. Ich alle. Alle mich.
Und dann werfe ich alles über Bord.
Und fange von vorne an zu Sortieren.
Wieder und wieder und immer wieder.
Bis ich es verstanden habe.

Dienstag, 22. März 2016

Sehnsucht



Liebe, Liebe, Liebe.
Wir brauchen alle nur Liebe.
Also....so 'ne ehrliche.
Und so eine ohne "Wenn's" und "Aber's".
Sowas, was einfach da ist.
Auch, wenn wir sie ab und zu mit Füßen treten.
Weil wir sie gerade nicht wahrnehmen...vor lauter Dämonen-Nebel.
Aber eine, auf die wir jederzeit Zugriff haben.
Zum Wiederbeleben und Überleben.
Falls wir mal wieder das kuriose Gefühl bekommen, im Sarg Platz nehmen zu müssen.
Weil's dort eh besser zu sein scheint.
Quatsch. Quatsch. Quatsch.
Wir brauchen nur Liebe.
Eine, die uns jederzeit mit offenen Armen begegnet.
In Menschenform.
Ja, das ist schön.
So'n Mensch, der all meine Blutkörperchen und Gehirnzellen liebt...und den Rest auch noch.
Einfach mal so.
Einfach nur, weil ich existiere.
Liebe ist da, weil ich da bin.
Wie schön.

Montag, 21. März 2016

Rundumschlag



Kennt Ihr das?
Wenn man sich wie eine geschüttelte Mineralwasser-Flasche fühlt.
Weil man einem Idioten begegnet.
Weil man Ungerechtigkeit empfindet.
Weil das Hirn gerade auch nicht so in Balance ist.
Weil man als Frau vielleicht sogar noch die allmonatliche "Erdbeerwoche" hat.
Weil man alles um einen herum gerade nicht versteht.
Weil man Menschen nicht versteht.
Weil man sich fühlt, als wäre man nur ein Pfand-Bon.
Dann packe ich die Standpauken-Kalaschnikow aus und feuere mal richtig schön Chili-gepfeffert um mich.
Bis der Putz von den Wänden bröckelt.
Und am nächsten Tag denke ich:
"Ach Tanja. Du Mensch."