Montag, 18. April 2016

Verdacht

Immernoch auf Wohnungssuche.
Manche Vermieter fragen und ich erzähle ihnen, was ich mache.
Natürlich tue ich das.
Mit Elan und Souveränität.
Ich erzähle von Radio sonnengrau und von Aufklärungsarbeit über psychische Erkrankungen. 
Dass ich versuche kranken Menschen zu helfen. 
Und sogar ein Buch darüber geschrieben habe.
Dann kommen meistens große Augen.
Und eine Nettigkeit.
Sie sind dann äußerst nett zu mir.
Lassen mich schnell den Interessenten-Bogen ausfüllen mit Telefonnummer & Email.
Und eine Stunde später habe ich Post im Mail-Kasten:
"Tut uns leid. Wie geben Ihnen die Wohnung nicht."
Es passiert in letzter Zeit sehr oft.
Und ich frage mich gerade, ob es an mir liegt? 
An meiner Visage?
An meiner Stimme?
An dem Wort "psychische Erkrankung"?
An meiner Arbeit?
Ich will nicht mutmaßen.
Aber ich denke drüber nach...

Donnerstag, 31. März 2016

Lernstunde


Hey, Du da oben!
Du Etwas.
Du Ding.
Du Gott.
Du Himmel.
Du Tor zum Paradies.
Du Irgendwas.
Du Ich-glaub-nicht-an-Dich.

Wieso nimmst Du uns die Guten?
Die mit Herz und Kunst.
Die uns beleben und beträufeln mit Einzigartigkeit und liebliche Intensität.
Die, die schenken und berühren.
Die, die nah sind, ohne persönlichen Kontakt.
Die, die verändern und Seelen reinigen.
Wieso die? Wieso nicht die anderen?
Wieso nimmst Du sie mit?
Dahin. Irgendwohin. Fort. Weg von uns.

Willst Du sie beschützen, bevor das Chaos ausbricht?
Bevor alle durchdrehen und Liebe erfriert?
Weil sie woanders besser aufgehoben sind?
Weil sie es verstanden haben und wir noch nicht?
Weil ihre To do-Liste erledigt und zusammengeknüllt im Papierkorb liegt?
Nimmst Du sie uns, weil wir lernen sollen?
Weil wir es noch nicht können?
Das Leben leben noch nicht können?

Immer, wenn Du uns die Guten nimmst, hinterlässt es eine gekritzelte Post-It-Notiz.
Haftend in meiner Seele.
Ein Gedanke.
Eine Auffrischung.
Ein „Verdammt-was-ist-eigentlich-wirklich-wichtig-im-Leben“-Schub.
Ein dankendes Wort.
Ein Spüren der Liebe.
Ich mich. Ich alle. Alle mich.
Und dann werfe ich alles über Bord.
Und fange von vorne an zu Sortieren.
Wieder und wieder und immer wieder.
Bis ich es verstanden habe.

Dienstag, 22. März 2016

Sehnsucht



Liebe, Liebe, Liebe.
Wir brauchen alle nur Liebe.
Also....so 'ne ehrliche.
Und so eine ohne "Wenn's" und "Aber's".
Sowas, was einfach da ist.
Auch, wenn wir sie ab und zu mit Füßen treten.
Weil wir sie gerade nicht wahrnehmen...vor lauter Dämonen-Nebel.
Aber eine, auf die wir jederzeit Zugriff haben.
Zum Wiederbeleben und Überleben.
Falls wir mal wieder das kuriose Gefühl bekommen, im Sarg Platz nehmen zu müssen.
Weil's dort eh besser zu sein scheint.
Quatsch. Quatsch. Quatsch.
Wir brauchen nur Liebe.
Eine, die uns jederzeit mit offenen Armen begegnet.
In Menschenform.
Ja, das ist schön.
So'n Mensch, der all meine Blutkörperchen und Gehirnzellen liebt...und den Rest auch noch.
Einfach mal so.
Einfach nur, weil ich existiere.
Liebe ist da, weil ich da bin.
Wie schön.

Montag, 21. März 2016

Rundumschlag



Kennt Ihr das?
Wenn man sich wie eine geschüttelte Mineralwasser-Flasche fühlt.
Weil man einem Idioten begegnet.
Weil man Ungerechtigkeit empfindet.
Weil das Hirn gerade auch nicht so in Balance ist.
Weil man als Frau vielleicht sogar noch die allmonatliche "Erdbeerwoche" hat.
Weil man alles um einen herum gerade nicht versteht.
Weil man Menschen nicht versteht.
Weil man sich fühlt, als wäre man nur ein Pfand-Bon.
Dann packe ich die Standpauken-Kalaschnikow aus und feuere mal richtig schön Chili-gepfeffert um mich.
Bis der Putz von den Wänden bröckelt.
Und am nächsten Tag denke ich:
"Ach Tanja. Du Mensch."

Sonntag, 6. März 2016

Sonntage



Wenn heute mein Sonntag wäre, würde ich reich sein an Zauber und Freiheit.
Würde ich Euch wecken und verwöhnen.
Würde sich jeder von uns seine Zeit nehmen und das tun, was er gerade gerne tut.
Und das gerade gerne tun würden wir meist gemeinsam tun.
Weil wir gemeinsam gerne etwas tun. Und gemeinsam gerade das ist, was wir brauchen.
Ich würde Liebe empfangen und gefühlt das Hundertfache zurückgeben.
Und mich leicht fühlen und auf dem Boden fliegen.
Ich würde nicht nach gestern schauen und dem Morgen keine Beachtung schenken.
Ich würde da sein, klar und rein.
Ich würde gerne eine Stop-Uhr drücken wollen und es einen Moment lang genießen.
Nur das eine. Nur ein paar Minuten.
Aber genau so, in seiner Perfektion, wie es gerade da ist.
Ich würde Sturm genauso toll finden, wie blauer Himmel.
Und würde alles loslassen können.
All das, was in mir drin ist, wäre plötzlich nicht mehr da.
Ich würde leer sein, weil ihr da seid.
Und Leersein ist gerade das Schönste, was es für mich gibt.
Ich würde nicht mehr den Samstagabend in Angst verbringen, weil morgen morgen ist.
Ich würde mir nicht mehr meinen Körper mit der Decke verhüllen, in der Hoffnung, dass auch damit all meine Gedanken verhüllt werden.
Ich würde nicht mehr darum beten, dass der Tag bald vorüber ist.
Ich würde mit Freude im Garten stehen und allen fröhlichen Menschen, die mit ihren Familien an mir vorbei radeln, mit einem Lächeln begegnen.
Ich würde das haben, was die anderen auch haben.
Das alles.
Und frage mich gerade, ob das alles wirklich alles ist, was ich haben muss...
...nur, um einen Sonntag schön finden zu können.